Lausanne nach Genf mit Desi

Die Nacht in Lausanne hab ich gut hinter mich gebracht und machte ich mich am Morgen auf, an einen Campingplatz in Lausanne, um nach 4 Wochen eine Waschmaschine auf zu finden.

Auf Grund meines EUR 10 Budgets, suchte ich nicht lang nach den Preisen, sondern fuhr schwarz mit der S-Bahn in die nähe des Campingplatzes. Und tatsächlich, es funktionierte.
Welche Freude, welche Zufriedenheit nach 4 Wochen meine Wäsche in einer Waschmaschine waschen zu können.
Trocknen durfte ich sie nicht am Campingplatz und auch nicht im Restaurant, sondern fand einen Bootssteg, wo ich sie zum trocknen aufhängen durfte. Und ich freue mich riesig. Endlich ist es soweit Désirée wird in drei stunden in Lausanne ankommen.

Damit wirklich nichts auch gar nichts passieren konnte, bin ich schon zwei Stunden vorher dort und freue mich riesig auf die Ankunft von Désirée und kann es schon kaum mehr erwarten.
Desiree stieg aus dem Zug, mit fast dem gleich großem Rucksack wie meinen und danach stellte sich heraus, dass er auch fast gleich schwer wie meiner war, weil sie soviel Sachen dabei hatte, die sie nach bringen sollte. Sie hat auch eine große Tasche mit Essensproviant von Mama und Papa und von ihr, dabei. Sowie Sachen, die ich bereits verloren hatte oder auswechseln musste, ihre eigene Ukulele, ihre Tin whistle und das Tablet für den Blog.

Wir fuhren mit dem Bus ein Stück aus der Stadt, da ich Lausanne gestern schon erkundigt habe. Wir liefen an einem Sufer-Festival und an vielen Badeplätzen mit vielen Menschen vorbei. Wir setzen uns an den Badestrand am See hin und tranken den ersten Sekt seit langem. Ich kann nicht beschreiben wie groß die Freude eines Gläschen Sektes, nach so langer Zeit Enthaltsamkeit, ist. Gleichzeitig spürte ich ihn auch sofort.

Wir liefen munter weiter, bis wir gegen Abend ein ruhiges Plätzchen fanden, direkt am See. Es waren Menschen noch da, doch war es perfekt, da ich nicht mehr an einem einsamen Plätzchen sein wollte. Mit Toiletten in der Nähe und einem Bänkchen, auf dem wir unser Abendessen genossen und endlich nach einem Monat aß ich wiedermal Käse. Da wir ihn gleich essen mussten wegen der Hitze konnten wir mit Genugtuung den ganzen verputzen. Und als Nachtisch gab es noch Apfelmus mit Mango. Nach zwei Wochen mit Instant-Nudeln ist es ein unbeschreibliches Gefühl dies alles zu verspeisen. Die Flasche Wein wurde spät am Abend auch noch leer. Die Dinge die normalerweise zum Alltag gehören werden mit der Zeit zu einem kulinarischen, außergewöhnlichen und zauberhaften Gefühl. Und gerne nahm ich von Désirée ein Teil des übrigen Essensproviants auf meine Schultern.

Eigentlich hatte ich Angst, dass genau dieser Abschnitt des Weges nicht schön sein sollte, da er von einer Großstadt raus führte, doch diesmal hatte ich mich zum Glück geirrt. Wir liefen am Genfer-See vorbei, durch Sonnenblumenfelder und Weinreben, mit Bergen umringt, sogar der Mount Blanc war sichtbar. Ich musste soviel lachen, dass ich mir in die Hose pinkelte und darauf hin mich unbedingt am Fluss waschen musste, der uns einen wunderschönen Platz an einem Fluss bescherte. Unterwegs spielten wir Ukele und Desiree mit der Tin Whistle. Und ich weiß jetzt schon wie sehr ich die Tin Whistle vermissen werde. Hatte schon Hoffnung ich könne das Saxofon mit der Tin Whistle eintauschen, doch leider kamen nicht dieselben Töne heraus.

Wir sahen sehr viele tolle Schlafplätze, doch da wir auf unsere 20 km kommen wollten, liefen wir weiter. Als es dann soweit war, da wir müde waren, war natürlich kein Schlafplatz mehr in Sichtweite. Dann trafen wir auf Freddy. Freddy zeigte uns seinen Geheimplatz. Er war sehr freundlich und offen. Der Geheimplatz war wunderschön. Er spielte uns was auf seiner Gitarre vor und lud uns auf Bier und frisches Baguette ein. Doch wollten wir die Nacht lieber allein sein und zogen weiter. Und fanden obwohl es Freddy nicht für möglich gehalten hat, einen wunderschönen Schlafplatz mit Blick auf den Genfer-See. Wir aßen ein wunderbares Abendessen aus unserem Essensproviant, begangen gerade wieder Yoga zu machen, als es anfing zu regnen (und dass auf einem Platz, wo eine Frau zu uns sagte, wir dürfen da nicht übernachten, da es in der Öffentlichkeit nicht erlaubt wäre zu Campieren. Aber man sagt das ständig und wenn wir auf das hören würden, hätten wir noch nie einen Schlafplatz in der Natur gefunden.

Da ich mein Zelt noch nie alleine aufgestellt hatte, war ich zutiefst froh, dass Désirée das gut kann. Wir gerieten mit dem Zeltaufbau doch etwas nah an einander, sodass wir die Zelte nicht mehr richtig spannen konnten und somit nicht mehr ganz wasserdicht waren. Blieben aber halbwegs trocken und brachten die Nacht auf einem verboten Platz gut hinter uns.

Zu unserem schrecken regnete es am nächsten Tag immer noch und nach zwei Kilometer dachte ich, ich hätte meine Geldtasche verloren. So musste ich im Regen alles auspacken bis ich sie in meinem Schlafsack fand. Kaffee gab es noch keinen, darum liefen wir gleich weiter in die nächste Ortschaft und liefen Richtung Zug. Da wir 20 km überspringen mussten wegen der Abfahrt und der Ankunft von meiner ehemaligen Schweigermutter, Monika und meiner Mutter, Brigitte.

Wir suchten uns einen kleinen Ort aus zum Übernachten. Doch der Ort den wir uns aussuchten , wolle uns keinen Schlafplatz bieten. Dieser Ort namens „Coppet“ hatte nicht eine einzige öffentliche Grünfläche zu bieten. Die Menschen die wir ansprachen, sprachen nur von Verboten und keiner bat uns Unterstützung an. Nicht mal die Kirche hatte eine Grünfläche und selbst der Friedhof war nicht frei zugänglich. Die Mauern um die Villen waren schrecklich hoch und sogar die Wälder und Flüsse waren privatisiert und von hohen Zäunen mit dicken Ketten umgeben. Trotz schmerzen von Desirees schweren Last, sahen wir keine Möglichkeit, als weiterzulaufen in das Nächste Dorf.

Im nächsten Dorf, ca. 4 km entfernt, zu unserer Verwunderung, fanden wir einen großen Park mit einem Pavillon, welches wie für uns gemacht war. Die Brücke in der wir durchliefen, hatte das Jahr 1978, den selben Jahrgang wie ich, dies musste ein gutes Omen bedeuten. Obwohl dieser Park von allen Seiten frei einsichtig war, hatten wir in diesem Pavillon unsere Festung und fühlten uns wohl und sicher. Wir machten Yoga und trafen einen netten jungen Mann, der mit uns ein bisschen Musik machte. Danach aßen wir ein guten Risotto. Der Mann wohnt am See und bat uns an, falls wir verschickt werden, dass wir in seinem Garten schlafen können. Punkt 22:00 Uhr kam wirklich zu unserem Schrecken ein Security-Mann der uns freundlich und doch bestimmt mittelte, dass wir gehen müssen.
Die anderen Jungen die sich auf dem Sportplatz aufhielten, konnten gut Englisch und so kam es, dass uns der Security-Mann doch noch einen Platz verriet, wo wir über die Nacht bleiben konnten.

Wir packten zusammen und kamen wieder am See an. Diesmal allerdings an einem wunderschönen Gasthaus. Zwar konnten wir den empfohlenen Platz nicht finden, fanden aber einen anderen schönen zum Schlafen. Sitzen nun gemeinsam im Restaurant und schreiben gerade den Blog und hoffen diese Nacht nicht mehr geweckt zu werden.

Und so war es auch. Wir schliefen sehr gut am See, heimlich hinter dem Restaurant und liefen zum Zug Richtung Genf, wo uns schon Monika und meine Mutter erwarteten.

Es waren wunderschöne, erlebnisreiche und lustige Tage mit Desi.
Danke Gott, danke Desi und danke Mir

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